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Leichtigkeit und Charme im Hofgarten

09.09.2026 Felix Käppeli, Fachredaktor Jardin Suisse textatelier-freiraum.ch

Dieser lauschige Garten im Hof entfaltet sich in klarer, überschaubarer Ordnung und doch in lebendiger Vielfalt. Ein Raum, der nicht einengt, sondern einlädt.

Ein lauschiger, funktionaler und natürlicher Hofgarten lebt vor allem von Geborgenheit, klarer Raumbildung und einer zurückhaltenden Materialund Pflanzensprache. Er wirkt nicht wie eine Restfläche zwischen Gebäudeteilen, sondern wie ein wohnlich gestalteter Aussenraum in eindeutiger Stilistik.

Ein derart begrenzter Garten profitiert von einer klaren Gliederung in Nutzungs-, Aufenthalts-, Bewegungsund/ oder Erschliessungsbereiche sowie von weich gezeichneten Pflanzbereichen. Gerade dort wirkt die Konzentration auf wenige, prägnante Elemente oft stärker als eine Vielzahl an Details. Sichtachsen, lesbare Begrenzungen und eine wiederkehrendeMaterialität schaffen Ruhe und Ordnung.

Klare architektonische Grundordnung

Die Struktur lässt sich durch klareWege und geometrische Beete betonen – muss aber nicht. Auch geschwungene Formen und locker wachsende Pflanzungen können ein präzises Gartenlayout erzeugen. Dynamische, sich im Wind bewegende Blätter oder Halme können dann besonders wohltuend und beruhigend wirken, während zu viele harte Linien oder Kanten, wie auch eine zu perfekte Symmetrie, schnell einmal streng und monoton erscheinen.

Bewährt hat sich in der gestalterischen Praxis die Kombination beider Ansätze: eine klare architektonische Grundordnung mit einer natürlich-dynamischen Bepflanzung. So entsteht ein Aussenraum, der ausgewogen, natürlich und lebendig wirkt – weder steril noch unordentlich. Oder anders ausgedrückt: Eine stimmungsvolle Szenerie entwickelt sich aus dem Zusammenspiel von Gegensätzen. Enge und Weite, Licht und Schatten, Nähe und Rückzug greifen ineinander und schaffen eine kontrastreiche Stimmung. 

Ein passendes Beispiel dazu: Ein rechteckiger Hof, gefasst von geradlinigen Natursteinflächen und einer präzisen Sitzkante, öffnet sich zwischen einemlockeren Geflecht aus Gräsern, Farnen und Stauden, die im Wind ein leichtes Schwingen in die strenge Geometrie tragen. Die Struktur gibt Halt und die Pflanzen bringen Bewegung sowie Lebendigkeit ins Bild. Darüber hinaus können eine gezielt gesetzte Beleuchtung und das leise Plätschern von Wasser die Ambiance verdichtenund den Ort noch intensiver erfahrbar machen.

Das Zusammenspiel von Struktur und Leichtigkeit

Das hier porträtierte Gartenkonzept des Landschaftsarchitekturbüros LSLA GmbH ist als geborgener, in sich geschlossener Hofraum gestaltet und bietet dennocheine freie Sicht in die nahe Umgebung, was eine raumvergrössernde und öffnende Wirkung erzeugt. Zudem wurden aus zwei versetzten Ebenenein zusammenhängender und funktionaler Aufenthaltsort geschaffen,was ebenso zur Grossräumigkeit beiträgt.

Die stille Leichtigkeit dieses Gartenentwurfs zeugt von einer besonderen Ausgewogenheit, was Raumbildung, Raumbezüge und das Ensemble von Pflanzen und Farben, sowie Struktur und Materialien angehen. Die Gestaltungsidee strahlt eine tiefe Ruhe aus und wirkt wie ein natürliches, in sich stimmiges Ganzes.

Gezielt eingesetzte Kleinbäume mit lockerer und schirmförmiger Krone bewirkeneine leichte Beschattung desHofraumes. Die strukturreichen Staudenbeetewerdenvonformalen Eibenhecken seitlich gerahmt, was für eine klare Linienführung und einen ganzjährigen Halt sorgt, beschreibt Jan Schelling von der LSLA GmbH die Inszenierung des pflanzplanerischen Drehbuches.

Unter einem Balkonanbau befindet sich ein wettergeschützter Sitzbereich für Mahlzeiten im Freien und geselliges Beisammensein. Ein weiterer gemütlicher Aufenthaltsort liegt unter demschattigen Blätterdach von Schirmfelsenbirnen. Als Loungebereich unter Gehölzen gedacht dient er zur behaglichen Entspannung und Entschleunigung. Ein zusätzlicher tiefer gelegener Bereich dient als privater Rückzugsort und umfasst eine stilvolle Wellnesszone mit direktem Zugang zur Sauna. 

Dieser vielfältige Hofgarten zeigt auf, was auf kleiner Fläche mit guter Raumaufteilung, durchdachter Begrünung und ausgewogener Materialität möglich ist. Abwechslung, Atmosphäre und Geborgenheit kennzeichnen dieses Gartenbild. Es ist ein begrenzter Aufenthaltsort ohne Überfluss, aber nicht ohne Fülle – im Einklang mit Struktur und spielerischer Leichtigkeit.

Zwischen Klarheit und Natur

Die Kombinationaus trockenheitsliebenden Stauden, Gräsern und Gehölzen ergibt ein klimaangepasstes Gestaltungskonzept. Es verbindet mediterrane Ästhetik mit struktureller Klarheit, saisonaler Dynamik und hoher ökologischer Funktionalität. Ergänztwird die Szenerie mit einem Kiesbelag, der zusätzlich eine lebendige und luftige Ästhetikinden Hofraum bringt. Optisch wirkt er durch seine feine Struktur und die natürliche Farbe leicht, weitläufig und fügt sich harmonisch in die üppige Begrünung ein.

Zudem erzeugen überhängende Pflanzen wie Rosmarin eine gezielte Aufweichung von harten Raumkanten. Durch ihr überwallendes Wachstum überschreiben sie die klare Geometrie der Einfassungen aus Stein und Stahl und schaffen eine visuelle Übergangszone zwischen vertikaler und horizontaler Ebene. Die Materialien selbst bleiben in ihrer Eigenschaft unverändert, erfahren jedoch eine deutliche Veränderung in der Wahrnehmung. Feinstrukturierte Blatttexturen, Bewegung durch Wind sowie nuancierte Licht und Schattenwirkungen reduzieren die visuelle Härte der Oberflächen. Insbesondere beim rohen Stahl entsteht ein spannungsreicher Kontrast zwischen harter Oberfläche und lebendiger Vegetation. Die Konstruktion wird zwar lesbar gehalten, jedoch in ihrer Dominanz gebrochen.

Dimension nach oben öffnen

Ergänzend dazu stehen hochwachsende Gräser wie feineWahrzeichenimRaum. Sie strecken sich filigran in die Höhe, leicht und doch bestimmt, und ziehen die Blicke aufwärts. Die Vertikale wird spürbar, nicht als starre Linie, sondern als dynamischer Impuls. Gerade in diesem Hofgarten entfalten sie ihre volle Kraft. Hier,wodie Fläche knapp ist, öffnen sie die Dimension nach oben, lassen die Enge weicher erscheinen und nehmen der Begrenzung die Schwere.

Über die gesamte Szenerie spannen zwei mehrstämmige Gehölze ihre schirmförmigen Kronen aus.Unter dem Blätterdach entsteht ein Raum, der weder ganz offen noch ganz geschlossen ist – er wird zueinem Ort des Übergangs. Das Licht zieht in flüchtigen Mustern über den Boden, mal hierhin, mal dorthin wandernd. Es erscheint, verweilt undentzieht sich demBetrachterwieder.