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«Eigenverbrauch ist entscheidend»

09.06.2026 Interview: Cyrill Rüegger

Die Einspeisevergütung für selbst produzierten Solarstrom ist gesunken. Experte Tobias Bergau erklärt, inwiefern sich eine Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) dennoch lohnt.

Wohneigentümer bekommen immer weniger, wenn sie ihren Solarstrom ins Netz einspeisen. Lohnt sich eine PV-Anlage überhaupt noch?
Eine PV-Anlage lohnt sich weiterhin, wenn sie so ausgelegt ist, dass sie gut zum Eigenverbrauch passt. So lässt sich der Strombezug aus dem Verteilnetz senken. Denn zugekaufter Strom kostet in der Regel deutlich mehr als der Strom, den die eigene PV-Anlage produziert.

Unter welchen Bedingungen ist eine private PV-Anlage wirtschaftlich am attraktivsten?
Einerseits sollte der Stromverbrauch im Haus möglichst an die Solarstromproduktion angepasst werden. Andererseits lohnt es sich zu prüfen, ob bestehende oder geplante E-Auto-Ladestationen sowie fest installierte Batteriespeicher sinnvoll einbezogen werden können. Früher war es oft attraktiv, eine PV-Anlage möglichst gross zu bauen, weil neben dem Eigenverbrauch über viele Jahre auch hohe Einspeisevergütungen erzielt werden konnten. Heute ist vor allem der Eigenverbrauch entscheidend.

Das neue Stromgesetz erlaubt Eigentümern, den erzeugten Solarstrom in der Nachbarschaft direkt zu teilen. Wie funktioniert das konkret?
Neu können neben der eigenen Liegenschaft auch Nachbarliegenschaften in die Kalkulation einbezogen werden, wenn sie an derselben Sammelschiene der gleichen Verteilkabine angeschlossen sind. Das wird als «virtueller Eigenverbrauch» bezeichnet. Der produzierte Strom kann in diesem Fall ohne Netznutzungsentgelte, Abgaben und Umlagen kostengünstig verkauft werden. Das steigert die Rentabilität der eigenen Anlage. Eine weitere Möglichkeit sind lokale Elektrizitätsgemeinschaften, sogenannte LEG. Dort kann der eigene Strom an Endverbrauchende auf derselben Netzebene – also Niederspannung oder Mittelspannung – und am gleichen Unterwerk innerhalb derselben Gemeinde verkauft werden. So kann die Vergütung höher ausfallen als die Einspeisevergütung, die in der Regel tiefer liegt.

Was gilt es sonst zu beachten?
Neben PV-Anlagen auf oder in Dächern sollten auch Fassaden in die Planung einbezogen werden. Fassadenanlagen verursachen zwar in der Regel höhere Baukosten als Dachanlagen. Gleichzeitig gibt es dafür höhere Förderbeiträge. Zudem ist das Produktionsprofil von Fassadenanlagen vorteilhaft, weil sie ein ausgewogeneres Sommer-Winter-Profil aufweisen.


Tobias Bergau ist Bereichsleiter Markt und Kunden sowie Mitglied der Geschäftsleitung bei Thurplus in Frauenfeld.