• Grundbuchamt: Was müssen Erben beachten?

Grundbuchamt: Was müssen Erben beachten?

31.03.2021

Anna Künzli ist mit ihrer Schwester Ruth Mitglied der Erbengemeinschaft ihres Vaters Peter Künzli. Er war Eigentümer einer Liegenschaft. Nun möchten die Schwestern die Liegenschaft verkaufen. Müssen die Erben vorher noch etwas beachten?

Bevor die Liegenschaft verkauft werden kann, muss der Erbgang über das Objekt im Grundbuch eingetragen werden. Beim Ableben von Peter Künzli ist die Liegenschaft automatisch mittels Universalsukzession in das Eigentum der Erbengemeinschaft übergegangen. Im Grundbuch ist jedoch noch immer Peter Künzli «selig» als Eigentümer eingetragen. Damit nun die Erben über die Liegenschaft verfügen können (zum Beispiel verkaufen oder mit Dienstbarkeiten belasten), muss das Eigentum von Peter Künzli «selig» in das Eigentum der Erbengemeinschaft übertragen werden.

Erbenbescheinigung notwendig
Über ein Grundstück kann nämlich nur eine Person verfügen, welche auch im Grundbuch als Eigentümerin eingetragen ist. Damit das Grundbuchamt den Erbgang im Grundbuch eintragen kann, braucht es eine Erbenbescheinigung vom Nachlass des verstorbenen Peter Künzli. Zuständig für die Ausstellung der Erbenbescheinigung ist das Notariat am letzten gesetzlichen Wohnsitz des Verstorbenen. Das Grundbuchamt braucht die Erbenbescheinigung im Original oder als beglaubigte Kopie.

Zustimmung aller Erben für Verkauf notwendig
Damit nun das Eigentum auf die Erbengemeinschaft übertragen wird, muss eine der beiden Erben gestützt auf die Erbenbescheinigung die Grundbuchanmeldung abgeben. Die Übertragung der Liegenschaft auf die Erbengemeinschaft ist eine Richtigstellung des Eintrages und hat somit deklaratorische Wirkung. Wenn die Erbengemeinschaft jedoch einen Käufer für die Liegenschaft gefunden hat, müssen sämtliche Mitglieder der Erbengemeinschaft den Kaufvertrag auf dem Grundbuchamt unterzeichnen oder sich mit einer Vollmacht vertreten lassen.

Michael Hermann, Grundbuchverwalter Grundbuchamt und Notariat Münchwilen.